Zum Inhalt springen

Ratgeber Website-Relaunch. Mit Vorlage und ohne Hoffnung als Methode

Website-Relaunch-Projektplan: acht Phasen, damit der Launch-Tag langweilig wird

Kurze Antwort für Eilige und Maschinen

Ein Projektplan für den Website-Relaunch legt Phasen, Ergebnisse, Verantwortliche und Abnahmekriterien fest. Ich arbeite mit acht Phasen: Messen und Ziel, Fragen und Rollen, Struktur und Weiterleitungen, Prototyp und Design, Umsetzung, Tests, Go-live, Monitoring und Übergabe. Entscheidend sind eine Leitmessgröße vor dem Design, eine Weiterleitung für jede alte Adresse und ein Rückweg am Launch-Tag.

Was ein Projektplan leisten muss

Ein Projektplan für den Website-Relaunch legt fest, in welcher Reihenfolge gearbeitet wird, wer was entscheidet, welches Ergebnis jede Phase liefert und woran du erkennst, dass sie fertig ist. Ein Balkendiagramm für die Schublade ist er nicht. Er ist die Liste der Entscheidungen, die fallen müssen, und der Termine, an denen sie fallen.

Ich leite solche Relaunches selbst, 2026 fast immer mit meiner Crew bei clickpuls. Drei davon gingen im August und September live, bei zweien kamen auch Konzept und Design von mir. Die acht Phasen unten stammen aus diesen Projekten, die Zahlen auch. Kunden nenne ich nicht beim Namen, die Zahlen stimmen trotzdem. Willst du den Plan nicht selbst tragen, übernehme ich das: Wie ich einen Relaunch leite.

Mathias Ziehengraser, der Relaunches selbst leitet, erklärt etwas mit der Hand vor einer orangen Schaustellerbude, den Kopf zur Seite geneigt.

Die acht Phasen

Jede Phase endet mit einem Ergebnis, das man anfassen kann: einem Dokument, einem Prototyp, einer Liste. Was kein Ergebnis hat, hat auch kein Ende.

  1. Messen und Ziel festlegen

    Bevor jemand über Farben spricht, wird gemessen: Crawl der alten Seite, Daten aus der Search Console, Ladezeit, Barrierefreiheit, Indexierung. Daraus entsteht ein Basiswert, gegen den du nach dem Launch vergleichst. Dann folgen ein Ziel mit einer Leitmessgröße und eine Liste der Nicht-Ziele. Fehlt das Ziel noch ganz, ist das eine eigene Etappe: Strategie und Konzept.

    Eine Messung, die niemand hören wollte: Bei einem medizinischen Institut stand die Startseite auf allen 4 Adressvarianten auf „noindex“, war für Google also unsichtbar, und 21 von 22 Seiten hatten keine Meta-Beschreibung. Im Haus hatte es niemand bemerkt. Mein Kurz-Audit lag 18 Tage vor dem ersten Termin vor. So etwas gehört in den Plan, bevor ein neues Design es zudeckt.

  2. Fragen klären und Zuständigkeiten verteilen

    Jetzt kommt ein Fragenkatalog, und zwar nur mit Fragen, die allein du beantworten kannst. Was ein Crawl beantwortet, frage ich nicht. Meine Kataloge hatten zwischen 10 und 152 Fragen. Den großen habe ich in 10 Blöcke nach Zuständigkeit geschnitten, damit Geschäftsleitung, IT und Marketing parallel antworten konnten. Am Ende dieser Phase steht fest, wer Inhalte liefert, wer freigibt und wer erreichbar ist, wenn es klemmt. Fehlt einer dieser Namen, wackelt genau dort der erste Termin.

  3. Struktur, Inhalte und Weiterleitungsplan

    Sitemap, Informationsarchitektur und Inhaltsmodell entstehen in dieser Phase, und mit ihnen der Weiterleitungsplan. Jede alte Adresse kommt aus echten Daten auf eine Liste und bekommt ein Ziel. Wer das bis zum Launch-Tag aufschiebt, plant den Verlust in den Suchergebnissen gleich mit.

    Beim Umzug eines Industrie-Distributors auf eine internationale Domain liefen Domain- und Technikwechsel in zwei getrennten Stufen, damit sich Schwankungen in den Suchergebnissen einer Ursache zuordnen lassen. Mein Kernsatz dazu: „Jede vermeidbare Adressänderung ist ein vermeidbares Risiko.“

  4. Prototyp und Design

    Das Design verantworte ich in den meisten Fällen selbst, und du klickst dich durch die echte Seite, nicht durch ein Bild davon. Bei einem Hersteller stand der erste Prototyp mit 10 Seiten und Konfigurator an einem Tag.

    Barrierefreiheit beginnt hier und nicht erst bei den Tests. Kontrast, Schriftgröße, Fokus und Bewegung legt das Designsystem fest. Beim Hersteller waren alle Farbpaare der Kundenpalette schon im Prototyp nach WCAG AA geprüft. Beim Skiverleih galt WCAG 2.2 AA als Vorgabe für die ganze Seite, mit 17 px Basisschrift, Skip-Links, sichtbarem Fokus und Rücksicht auf die Systemeinstellung „weniger Bewegung“. Eine Schriftfarbe, die ein Teil deiner Besucher nicht lesen kann, ist im Designsystem eine Zeile. Nach dem Launch ist sie ein Umbau. Wie ich das angehe, steht unter Barrierefreie Website.

    Plan die Feedback-Runden mit ein. Bei einem anderen Projekt entstanden 52 Startseiten-Entwürfe in 15 Runden. Das kann richtig sein. Es gehört nur in den Zeitplan und nicht in die Spalte für Überraschungen.

  5. Umsetzung und Inhalte

    Gebaut wird in kurzen Etappen auf einer Testumgebung, die für Suchmaschinen gesperrt ist. Freigaben bekommen bei mir eine Frist von 48 Stunden, und jede Entscheidung landet mit Nummer im Entscheidungslog. Die Frist ist unbeliebt. Sie ist trotzdem billiger als jede Woche, in der eine Freigabe in einem Postfach liegt.

    Inhalte liegen in einer eigenen Schicht, getrennt vom Layout. Für ein Technikdetail hält das jeder, bis sich eine Woche vor dem Launch die Modellpalette ändert. Weiter unten steht, wie das ausging.

    Die Umsetzung übernimmt bei mir die Crew aus dem clickpuls-Netzwerk: ein Kernteam von 4 Personen und über 15 Spezialisten. Was clickpuls in der Webentwicklung (externer Link) baut, steht dort. Ich bleibe dein Ansprechpartner, auch wenn andere programmieren, und oft programmiere ich mit: Beim Hersteller kamen 60 von 70 Commits von mir.

  6. Tests und Weiterleitungen

    Getestet wird mit Zahlen, nicht mit Gefühl: jede alte Adresse, jede Bildschirmbreite, Formulare, Tracking, Barrierefreiheit nach WCAG 2.2 AA, Ladezeit. Beim Hersteller lief ein Responsive-Audit mit 90 Kombinationen, Ergebnis 0 px horizontaler Überlauf, und im Labortest von Lighthouse stand die Barrierefreiheit bei 98. Ein automatischer Test findet aber nur einen Teil der Hürden. Ob sich ein Formular mit der Tastatur ausfüllen lässt, merkst du erst, wenn du es tust.

  7. Go-live

    Für den Launch-Tag gibt es ein Runbook: Schritte in Reihenfolge, Zuständige, Prüfpunkte und einen Rückweg (das ist der Teil, den alle für übertrieben halten, bis sie ihn brauchen). Die alte Installation bleibt als Rückfallebene stehen, umgeschaltet wird zu einer Zeit mit wenig Besuch. Für die DNS-Umstellung bekommt die Kundenseite eine Anleitung, die mit dem Satz beginnt: „Technisches Wissen ist nicht nötig.“

    Wie das aussieht, wenn man ihn braucht: Beim Distributor war am Go-live-Tag die Ein-Klick-Funktion des Hosters unbrauchbar, und die neue Domain war wegen eines DNS-Fehlers seit 19 Tagen nicht erreichbar. Das fällt am Go-live-Tag auf, wenn man nachschaut. Statt eines Klicks wurde es eine Komplettmigration, am selben Tag.

  8. Nach dem Launch: Monitoring, Selbstprüfung, Übergabe

    Nach dem Go-live wird beobachtet, nicht gefeiert. Beim Distributor laufen 12 Wochen Monitoring, und bis dahin gibt es keine Wirkungszahlen. Ich erfinde auch keine. Dazu gehört eine Selbstprüfung: Ich prüfe meine eigene Arbeit und halte fest, was noch fehlt. Beim Hersteller lag 17 Tage nach dem Go-live ein Dokument mit 15 Ampelbereichen und 25 Tickets vor, Kernsatz: „Die Technik ist fertig, ab jetzt entscheidet der Inhalt.“

    Zur Übergabe gehören Dokumentation, eine aufgezeichnete Schulung und offene Punkte mit Namen. Code, Daten und Doku gehören dir.

Praxisbeispiel: Eine Woche vor dem Launch kippt die Modellpalette

Ausgangslage

Ein Hersteller ultraleichter Wohnkabinen mit über 30 Jahren Erfahrung bekommt eine neue Website, zweisprachig, mit Konfigurator. Strategie, Konzept, Design und den Großteil des Codes habe ich übernommen.

Wendepunkt

Eine Woche vor dem Launch ändert sich die gesamte Modellpalette, und der Termin steht. Weil Inhalte und Layout von Anfang an in getrennten Schichten lagen, war das ein Umbau und kein Neubau: am Tag vor dem Launch an einem Tag erledigt, mit 19 Commits.

Ergebnis

Die Seite ging im August 2026 live, bei der Markensuche steht sie auf Platz 1. Infrastruktur, Deployment-Pipeline und automatische Skalierung lagen bei Martin Ogris von clickpuls. Die Lehre für deinen Plan: Trenn Inhalte vom Layout, bevor sich etwas ändert. Es ändert sich etwas.

Vorlage: der Plan als Tabelle

Kopier dir die Tabelle in eine Tabellenkalkulation und ergänze zwei Spalten: Termin und Name. Ein Plan ohne Namen ist eine Wunschliste.

Vorlage für den Relaunch-Projektplan: acht Phasen mit Ergebnis, Entscheidung und Abnahme
Phase Ergebnis Wer entscheidet Fertig, wenn
1. Messen und Ziel Kurz-Audit, Basiswert, Ziel mit Leitmessgröße, Nicht-Ziele Geschäftsführung oder Projektverantwortung beim Auftraggeber Ziel und Nicht-Ziele sind schriftlich freigegeben
2. Fragen und Rollen Fragenkatalog, Rollenliste, Ansprechperson Auftraggeber Jede Frage hat eine Antwort oder einen Termin, bis wann sie eine bekommt
3. Struktur und Weiterleitungen Sitemap, Inhaltsmodell, Liste aller alten Adressen mit Ziel Projektleitung schlägt vor, Auftraggeber gibt frei Jede alte Adresse hat genau ein Ziel
4. Prototyp und Design Klickbarer Prototyp, Designsystem mit geprüften Kontrasten Auftraggeber nach vereinbarten Feedback-Runden Prototyp ist freigegeben, spätere Änderungen laufen als Änderungswunsch
5. Umsetzung und Inhalte Seiten auf der Testumgebung, Inhalte eingepflegt, Entscheidungslog Projektleitung, Freigaben durch den Auftraggeber mit Frist Alle Seiten sind inhaltlich freigegeben
6. Tests Testprotokoll für Adressen, Geräte, Formulare, Tracking, Barrierefreiheit, Ladezeit Projektleitung Kein offener Fehler mit Priorität P0
7. Go-live Runbook mit Rückweg, Umschaltung Projektleitung mit Freigabe des Auftraggebers Jede alte Adresse kommt an, alle Ziele antworten mit Status 200
8. Nach dem Launch Monitoring, Selbstprüfung, Übergabepaket Auftraggeber übernimmt Offene Punkte haben Namen, Doku und Zugänge liegen beim Auftraggeber

Checkliste für den Launch-Tag

  • Weiterleitungen: Jede alte Adresse hat genau ein Ziel. Nichts landet pauschal auf der Startseite.
  • Ziele: Alle Zieladressen antworten mit Status 200.
  • Indexierung: Die Sperre der Testumgebung ist auf der neuen Seite entfernt, robots.txt und Sitemap stimmen.
  • Zertifikat: HTTPS läuft auf allen Adressvarianten.
  • Search Console: Die neue Sitemap ist eingereicht, bei einem Domainwechsel ist die Adressänderung gemeldet.
  • Formulare: Jedes Formular wurde einmal echt abgeschickt, und die Mail ist angekommen.
  • Bedienbarkeit: Navigation und Formulare funktionieren auf der Live-Seite mit der Tastatur, der Fokus ist sichtbar.
  • Tracking und Einwilligung: Die Messung läuft, und zwar nur dort, wo sie darf.
  • Rückweg: Die alte Installation ist für den Notfall erreichbar, die Schritte zurück sind aufgeschrieben.
  • Basiswert: Die Zahlen von vorher sind gesichert. Sonst gibt es nachher nichts zu vergleichen.
  • Testumgebung: Nach dem Launch ist sie gesperrt oder abgeschaltet.

Beim Distributor sah das Ergebnis dieser Liste so aus:

481 von 481
alten Adressen mit genau einer Weiterleitung
319 von 319
Endzielen mit Status 200, dazu 168 von 168 festen Zielen
392
Seiten nach dem Go-live nachgeprüft

Woran Relaunch-Pläne kippen

Fast alle Arten, wie ein Projekt gegen die Wand fährt, sieht man früh kommen, wenn jemand hinschaut. Diese sechs begegnen mir immer wieder, und an fehlender Technik liegt keine davon:

  • Das Ziel kommt nach dem Design. Dann wird über Geschmack gestritten statt über Wirkung. Ohne Ziel gibt es kein Nachschärfen, sondern nur Meinungen, und jede Feedbackrunde bringt neue mit.
  • Die Inhalte kommen zum Schluss. Texte, Bilder und Produktdaten brauchen fast immer mehr Zeit als der Code. Plane sie ab Phase 3, mit Namen und Termin.
  • Die Weiterleitungen kommen am Launch-Tag. Wer die alten Adressen erst dann zählt, findet sie später in der Search Console wieder, als Fehler.
  • Die Barrierefreiheit kommt als Nachtrag. Dann prüft jemand nach dem Launch die Kontraste und findet das Problem im Designsystem, also auf jeder Seite. Was im Entwurf eine Zeile gewesen wäre, ist jetzt ein Umbau.
  • Der Kurswechsel kommt nach der Freigabe. Passiert. Bei einem Skiverleih wollte die Leitung nach Preview und Freigabe eine neue, emotionalere Richtung. Das ging ohne Verlust, weil Inhalte und Preislogik übernommen werden konnten und nur Design und Technik neu entstanden. 4 Tage später stand das neue Designsystem, Suchmaschinen-Grundlagen, Preise und Tracking blieben erhalten. Wie schnell es danach ging, steht unter Projekte.
  • Mehr Leute sollen Zeit ersetzen. Geld kauft parallele Kapazität, aber keine Kalenderwochen. Wer neu dazukommt, braucht zuerst Zeit von denen, die schon drin sind. Wenn der Termin wackelt, hilft ein kleinerer Umfang früher als ein größeres Team.

Was ein guter Plan nicht verspricht

Ein Projektplan sagt, was bis wann fertig ist. Er sagt nicht, um wie viel Prozent die Anfragen steigen. Wer nach einem Relaunch Steigerungsraten zusagt, sagt etwas zu, das er nicht kontrolliert, und verkauft eine Schätzung als Messwert. Was du von mir bekommst, ist ein Basiswert vor dem Launch und eine ehrliche Messung danach.

Willst du den Plan mit jemandem durchgehen, der ihn schon bis zum Launch-Tag getragen hat: Hier steht, wie ich Relaunches leite, und unter Projekte stehen die drei aus dem August und September ausführlich. Suchst du erst die richtige Person, hilft der Ratgeber Externen Projektleiter finden.

Relaunch-Plan mit mir durchgehen

Häufige Fragen

Wer sollte den Projektplan für einen Relaunch pflegen?

Eine Person, die Projektleitung. Alle anderen liefern Ergebnisse und Entscheidungen zu, aber nur eine hält den Plan aktuell und macht Termine fällig. Ein Plan, den drei Leute pflegen, hat am Ende drei Fassungen und keinen Termin, der hält.

Reicht eine Tabelle als Projektplan, oder braucht es ein Projektmanagement-Tool?

Für viele Relaunches reicht eine gemeinsame Tabelle mit Phase, Ergebnis, Termin, Name und Abnahmekriterium. Ein Werkzeug lohnt sich, wenn mehrere Firmen parallel an vielen Aufgaben arbeiten. Kein Tool rettet eine Zeile ohne Namen und Datum. Die Tabelle auch nicht, sie macht die Lücke aber schneller sichtbar.

Wann beginnt der Weiterleitungsplan?

In der Konzeptphase, sobald die neue Struktur steht. Am Launch-Tag ist es zu spät, auch wenn ihn dann alle zum ersten Mal ernst nehmen. Jede alte Adresse kommt aus echten Daten wie Crawl und Search Console auf eine Liste und bekommt genau ein Ziel. Getestet wird vor und nach dem Go-live.

Was muss ich beim Website-Relaunch beachten?

Vier Dinge entscheiden mehr als das Design: ein Ziel mit Leitmessgröße, eine Weiterleitung für jede alte Adresse, ein Basiswert vor dem Go-live und eine Übergabe, nach der dein Team selbst pflegt. Dazu Barrierefreiheit nach WCAG 2.2 AA ab dem ersten Entwurf, denn nachträglich wird sie zum Umbau. Wer das alles verantwortet, sollte feststehen, bevor das erste Angebot kommt.

Stand Geschrieben von